Journey through paradise
Weltuntergangsstimmung in Perth, Westaustralien

 Montag, 22. Maerz 2010, U-Bahn Satdtmitte Perth

Vor zehn Minuten bin ich aus Erleichterung mit Jubelschreien ins Haus gestuerzt. Heute abend um ca 16.30 Uhr, wurde die ganze Stadt nichtsahnend von einem Gewitter von nahezu tropischem Ausmass, inklusive fingernagelgrosser Hagelkoerner und den Horizont ueberspannender Blitze, ueberrascht.
In den ersten zehn Minuten sah alles noch relativ harmlos aus: Ich war zum Einkaufen im Stadtzentrum und ploetzlich fuellte ein unglaublicher Regen wirbelnd die Strassen, brachte alle zum Rennen. Die ersten Passanten zueckten ihre Mobiltelefone, um das Spektakel festzuhalten. Denn in Westaustralien hatte es seit vier Monaten nicht in diesem Masse geregnet.
In den Einkaufsstrassen brach ein hektisches Treiben aus, denn selbst die Alarmglocken der Geschaefte, die durch die Bodenerschuetterung beim Donner faelschlich ausgeloest wurden, gingen an und erfuellten die Atmosphaere mit noch mehr Aufregung. Zahlreiche Laeden mussten fruehzeitig schliessen, da der gesamte Boden durch Wassereinbruch ueberfluetet war. Saemtliche Einkaeufe wurden prompt abgebrochen und die Masse stroemte gen Bahnhof oder zu den geparkten Autos.
Der Verkehr war allerdings am meisten betroffen: Busse und Bahnen wurden lahm gelegt, weil Tunnel voll flossen und saemtliche Rolltreppen im Bahnhof stoppten, waehrend Bahnangestellte versuchten Herr ueber die Situation zu werden. Einer von ihnen rief die gesamte Schlange vom Ticketautomaten zurueck, mit den Worten: “Kuemmern Sie sich nicht um Fahrkarten. Nehmen Sie einfach die Bahnen, wenn ueberhaupt was faehrt.” Spaetestens in dem Moment wurde mir klar, dass die Situation weitaus ernster war, als ich zuvor gedacht hatte!
Ohne Ticket bin ich dann nach kurzem Warten problemlos mit der Bahn zur Haltestelle gekommen, an der ich in den Bus steigen konnte. Die Fahrerin stand aufgrund der 90 minuetigen Verspaetung unter Druck und ich konnte im Dunkeln die Strassenschilder nicht lessen, also verpasste ich meine Haltestelle. Unglaublich freundlich wie die Australier allerdings sind – selbst in Extremsituationen wie dieser – liess die Fahrerin mich nicht einfach im Regen zurueck laufen, sondern riet mir im Bus zu bleiben und mit ihr wieder zurueck zu fahren. Das tat ich und sie setzte mich sogar dort ab, wo gar keine Haltestelle war, um mir den Weg zu Fuss etwas zu verkuerzen! Erleichtert und ohne einen Cent fuer die Fahrt bezahlt zu haben, fand ich zu Hause angekommen alle meine Freunde wohlbehalten vor.
Angela war allerdings immernoch damit beschaeftigt, diversen Freunden am Telefon zu erzaehlen wie sie heute fast gestorben waere: Auf dem Weg nach Hause ist sie auf dem ueberfluteten Freeway stecken geblieben und hatte Glueck, dass ihre Autofenster nicht wie die der anderen vom hagel eingeschlagen wurden. Auf dem heimweg habe ich sogar ein Auto gesehen, das komplett mit offener Fahrertuer und saemtlichen Fenstern eingeschlagen verlassen am Strassenrand stand.

Nun, spaeter am Abend bleibt also abzuwarten, als wie gross sich das Ausmass der Zerstoerung im morgigen Licht herausstellen wird!
Niemals zuvor habe ich solche extremen Wetterbedingungen hautnah miterlebt. Und ich muss sagen, dass es eine extrem spannende Erfahrung war; unter dem Dach der Geschaeftsreihe zu stehen und wie hunderte Andere auf ein baldiges Abklingen des Gewitters zu warten, waehrend ununterbrochen Menschen vorbeilaufen, die teils mit besorgten Gesichtern, teils mit amuesiertem Laecheln am Telefon Freunde und Familie kontaktieren oder - mit den Haenden schuetzend ueber dem Kopf - versuchen vor den Naturgewalten Unterschlupf zu finden. Immer oefter versetzt es mich in laecheldes Staunen, wie hilflos wir trotz aller Erkenntnis und allen Fortschritts immer gegenueber Situationen wie dieser – die sich in einer Zukunft des Klimawandels stetig haeufen werden – sind und bleiben werden.
4.10.10 15:20
 


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